INTERVIEW: ANDRE STRACKE FORDERT NEUE ANREIZE FÜR KUNDEN

Andre Stracke ist Mitglied der Geschäftsleitung der Westfalen AG und gilt daher als Experte für die Tankstellenbranche. Im Rahmen des Tankstellen Talks hat SCHEMBERG ihn zum Interview eingeladen, um seinen Blickwinkel auf die Zukunft der Tankstellen zu erfahren.

Küper: Schönen guten Tag liebe Gäste, schönen guten Tag Herr Stracke. Ich freue mich, dass Sie heute hier bei uns am SCHEMBERG-Stand zu Gast sind. Ich darf Sie erst einmal dem Publikum vorstellen. Vielleicht kennt Sie nicht jeder, was ich fast gar nicht glauben kann. Sie sind Bereichsleiter für Tankstellen der Westfalen AG. Von unserer Seite darf ich erst einmal einen Glückwunsch aussprechen. Sie haben gestern den Jury Sonderpreis bekommen für die Tankstelle in Gelsenkirchen. Das ist das „Zum Glück“ – Konzept. Daher von unserer Seite auch noch mal ganz herzlichen Glückwunsch. Dies ist eine Tankstelle die wir leider nicht umgebaut haben, aber darüber können wir in Zukunft vielleicht nochmal sprechen.

Aber zunächst freue ich mich, dass Sie heute bei uns am Stand sind und wir haben ja unsere beiden Damen die hier über die Messe gegangen sind. Dort sind bei Branchenpartnern und dem Publikum einige Fragen entstanden, die wir Ihnen gerne stellen wollen und gemeinsam über das Thema Tankstellen in der Zukunft ein wenig zu philosophieren.

Der erste Punkt geht eher so in den Bereich Kraftstoff. Der Diesel-Skandal ist im Prinzip noch in aller Munde. Jetzt kommen schon die nächsten Themen, man hört von der Unity das Thema Synthetic-Fuel und das Thema E-Mobilität sind große Gesprächsthemen. Was denken Sie, wie wird das die Tankstellen in Zukunft verändern?

Stracke: Zunächst einmal vielen Dank für die Einladung. Ich freue mich heute hier sein zu können. Auch vielen Dank für die netten Worte zum Sieg „Tankstelle des Jahres“. Zu dem Thema: Man kann ja nicht immer gewinnen, insofern entscheiden wir uns auch schon einmal für andere Mitbewerber am Markt.

Das Thema Dieselskandal und Elektromobilität (E-Fuel), das bewegt uns natürlich sehr keine Frage. Wenn man an das Thema Elektromobilität denkt, batterieelektrisch muss ich da jetzt mal sagen, denn auch Wasserstoff ist elektrische Energie, wird das bei uns schon zu einer erheblichen Änderung führen. Das kann man sich auch plastisch gut vorstellen, denn Elektrofahrzeuge werden dann nicht mehr hauptsächlich an einer Tankstelle mit Energie versorgt, sondern, entweder zuhause in der Garage oder auf dem Parkplatz, oder aber auch am Arbeitsplatz gibt es entsprechende Lademöglichkeiten. Unterwegsversorgungen wird es dann vermutlich nur an großen Autobahnstraßen geben, vielleicht auch an Supermärkten. Da wird eine Veränderung stattfinden.

Wenn man sich vorstellt, das ein Kraftstoff in Zukunft mit Sonnenstrom, Wasserstrom, etc. unter Zugabe von Co² produziert wird und am Ende ein Kraftstoff rauskommt, der im Verbrennungsmotor am Ende den gleichen Anteil von Co² ausstößt, unterm Strich also neutral ist, und das ganze machbar für 45 Mio. Fahrzeuge in Deutschland und direkt einsetzbar ist, dann ist das sicherlich ein Thema, wo es auch darum geht die Politik mal wach zu rütteln und zu sagen, dass könnte auch ein Zukunftsweg sein. Die Infrastruktur, Tankstellen und Fahrzeuge sind da und man hätte sofort einen relativ guten Effekt. Sie sehen, dass das gar nicht so einfach ist, wie sich die Tankstellenlandschaft in Zukunft verändert und wir sprechen da von einem Zeitraum von 10,15,20 Jahren. Aber wir müssen uns auf Veränderungen einstellen.

Zum Glück ist das ein Thema mit dem wir uns erhoffen zu lernen, was sind so die Bedürfnisse der Gäste und der Kunden auch in Zukunft, nicht nur Gastronomie, auch Ladestationen für Batterien oder Fahrzeugpflegebereiche. Also wir wollen dort eine Frequenz erzeugen, unabhängig vom Kraftstoff, und das wird natürlich ein Zukunftsweg sein.

Küper: Man sieht schon an Ihren Ausführungen, das Thema Kraftstoff scheint noch nicht ganz abgeschlossen zu sein und das wird uns auch noch längere Zeit begleiten. Wo Sie jetzt auch das „Zum Glück“-Konzept nochmal ansprechen, da sieht man das sich auch die Betreiber in Zukunft verändern müssen. Man liest jetzt auch schon in der Fachpresse, dass sich der Tankstellenmarkt in sofern wandeln könnte, dass es reine Tankstellen geben könnte zur Bedarfsdeckung, das Stichwort ist dort „Fuel&GO“, und das es Tankstellen gibt, die eher so den Erlebnischarakter hervorheben durch Bistro, etc.
Man spricht in der Presse von einer Polarisierung auf Anbieter Seite. Teilen Sie diesen Ansatz in der Presse?

Stracke: Das ist ja durchaus etwas was man heute schon vorfinden kann. Wenn man uns als Beispiel nimmt, wir haben in unserem Tankstellennetz 260 Tankstellen, davon sind 15-20 Automatentankstellen, also relativ schmales Angebot. Oftmals ist eine Gastronomie dabei, wie z.B. Burger King. Dann gibt es eben auch Mobilitätsstandorte wie Gelsenkirchen, wo man ein vielfältiges Angebot hat und am Ende entscheidet natürlich das Potenzial vor Ort, also was wollen die Gäste und danach wird sich ausrichten, was man dort anbietet und insofern wird es auch weiterhin eine klare Zielordnung für die einen oder die anderen geben. Aber es wird auch über kurz oder lang eine Ausdünnung des Tankstellennetzes geben.

Küper: Vielen Dank für Ihre Einschätzung. Wenn wir mal bei diesem Gedanken Bistro, Nahversorgung, Lebensmittel an der Tankstelle bleiben. Da gibt es ja das REWE-to-go-Konzept, welches am Anfang euphorisch gefeiert wurde, momentan wird da doch gefühlt eher auf die Bremse getreten. Glauben Sie da gibt es Lücken in diesem Konzept oder warum wird das nicht weiter ausgebaut?

Stracke: Zunächst einmal ist das ja so, dass ich das wirklich super finde, dass sich Aral um dieses Thema kümmert und Geld in die Hand nimmt und auch für die Branche ein wichtiges Statement macht. Wenn eine Westfalen das Thema „Zum Glück“ macht, dann ist das für die Branche vielleicht auch interessant und man schaut dahin usw. Aber wenn sich ein Marktführer jetzt darum kümmert Convenience-Store aufzufrischen mit der großen Marke Rewe ein Frische-Konzept darein bringt, dann ist das erstmal gut. Und zwar für die Branche, weil es der Tankstelle auch ein neues Gesicht gibt und ich glaube es ist auch ganz normal, dass wenn man so ein Konzept ausrollt, irgendwann in die Phase kommen muss, nochmal in den Rückspiegel zu schauen, läuft jetzt alles gut, haben wir die Partner richtig mitgenommen und an der Stelle macht Aral, und ich würde da auch nicht von einem Stop jetzt sprechen, ich glaube das es da weitergeht, das richtig. Man muss ja, also nicht blind in den Roll-Out weitergehen, sondern schauen, gibt es Learnings die man weiter umsetzen muss? Gibt es in der Partnerschaft Themen die man eventuell verändern muss? Das Konzept, da kann man drüber streiten, ob das komplett richtig ist, ob der Frische-Anteil richtig ist den es da gibt und ich glaube da wird es auch Unterschiede geben was den Standort angeht. Aber ich finde es richtig gut, was die Kollegen da machen. Ich kann jetzt auch sagen wir würden es besser oder anders machen, aber erstmal ist es gut.

Küper: Zumindest macht es schon einmal jemand und ich denke das ist gut für die Branche. Wenn man das Thema Bistro jetzt einmal sieht und schaut was Sie gestern gesagt haben bei dem „Zum Glück“-Konzept, da gibt es ja auch das Thema mit dem waschen. Wenn man diese ganzen Bereiche sieht, also waschen, Werkstatt, dann vielleicht Nahversorgung als Lebensmittelmarkt oder Bistro, wir sind ja hier auf dem Stand um natürlich auch über die Themen der Zukunft ein bisschen zu sprechen. Was glauben Sie könnte ein Fokus sein der in der Branche in den zukünftigen Jahren mehr Anklang findet. Wo geht die Reise hin?

Stracke: Das ist ja schon so ein bisschen angeklungen also ich glaube das wir da durchaus das Thema Gastronomie sehen, das Thema fahrzeugfähige Autowäsche. Im Grunde genommen ist das unabhängig von der Antriebsenergie, wenn man an den Fahrzeugpflegebereich denkt. Autos werden schmutzig, Autos wollen gereinigt werden. Das ist sicher ein Zukunftsthema. Convenience, Dienstleistungen ist ein großes Thema. Ich bin der Meinung am Ende des Tages, wenn man jetzt weiter in die Ferne schaut, kommt es darauf an den Standort attraktiv zu gestalten, mit Mehrwerten zu versehen und darüber einen guten Nutzen zu haben. Hier ein Beispiel, ein Wort was wir immer sagen ist „One stop – feel good“. Also du stoppst einmal und hast möglichst viele Dinge die du erledigen kannst. Lottoscheine, Kleidungsreinigung sind so Dienstleistungen die ich mir in Zukunft vorstellen kann. Das Thema Fahrzeugwäsche natürlich. Paketservice ist auch ein Thema wo wir drüber nachdenken. Naja Hermes und DHL das gibt es ja heute schon an vielen Tankstellen, aber als Onlinekunde musst du ja heute wissen, wo holst du dein Hermes Paket ab, wo holst du dein DHL Paket ab und da gibt es ja viele Anbieter. Warum kann man nicht einfach so einen HUB bilden, wo man von vielen Anbietern Hermes, DHL, GLS und wie die alle heißen, einen Sammelpunkt macht und das Ganze mit einer Dienstleistung verbindet -  Kaffee trinken, Anprobe ist möglich, bei Retouren wird dir geholfen. Ich glaube, dass man über solche Mehrwerte zukünftig noch viel mehr nachdenken muss.

Küper: Ich denke auch, dass das Thema Mehrwert in der Zukunft viel wichtiger werden wird. Wir hatten hier gestern jemanden am Stand, der betreibt Autohöfe und hat an diesen Autohöfen jetzt Konferenzräume etabliert, weil er gemerkt hat, dass viele Außendienstler, die eine dezentrale Vertriebsstruktur haben, die Treffen sich jetzt eben bei ihm an den Autohöfen und haben da jetzt so Mini-Vertriebs-Meetings. Letztendlich muss sich durch diese Neuausrüstung, egal was es ist, auch der Ladenbau ändern. Uns als Ladenbauer spielt es natürlich in die Karten, aber wie sieht das bei den Betreibern aus, denken Sie, dass die vielleicht auch eher aus der Gastronomie statt aus der Dienstleistung kommen sollten in Zukunft.

Stracke: Das Anforderungsprofil für Tankstellenunternehmer ändert sich ja gerade rasant. Das muss man ja schon sagen. Kommen wir zu unserem Standort „Zum Glück“, da sprechen wir momentan von 40-50 Mitarbeitern, alleine das ist ja schon eine Hausnummer. Da kann man ja nicht von Dorftanke oder sonst was sprechen, sondern da hast du ja eine ganz andere Aufgabe was die Personalführung angeht. Und wenn man dann auf die Gastronomiethemen schaut, dann brauchst du schon eine vernünftige Ausbildung in dem Bereich, um solche Dinge auch systemisch abbilden zu können und umsetzen zu können usw.
Das ist also ganz wichtig das wir, also die Branche, da auch in Zukunft qualitativ ausgebildete Unternehmer finden oder auch ausbilden. Wir bilden ja auch Unternehmer aus, dass man ihn eben dort hinführt, dass sie für das Thema Frische eine Affinität haben und das ganze Thema Personalführung, das wird immer wichtiger.

Küper: Personal ist immer ein Thema, wenn Sie jetzt sagen, ein Standort mit 40-50 Mitarbeitern, dann kann man ja von einem mittelständigen Betrieb sprechen, also ganz sicher keine Dorftankstelle mehr. In der Fachpresse liest man ja über Tankstellen die rund um die Uhr geöffnet haben, dass da das Thema Sicherheit einen großen Stellenwert einnimmt. Wie sollte die Branche Ihrer Meinung nach damit umgehen auch in Zukunft passendes Personal zu finden und zu akquirieren. Wie geht man damit um?

Stracke: Eigentlich fängt das bei uns sogar an. Wir müssen zusehen, dass wir die Tankstellenunternehmer fit machen, da geht es um Personalführung, auch sensibilisieren, was passiert da in der Nacht und worum geht’s da überhaupt. Muss ich Türen verschlossen halten, habe ich einen Nachtschalter, solche Dinge. Ganz wichtig ist auch in Zukunft, neben, Geldbestände gering zu halten, dass es kaum noch einzelne Personen in Tankstellen über Nacht gibt, weil wenn man sich große Standorte anguckt mit einer entsprechenden Gastronomie, mit bestimmten Dienstleistungen und Versorgungsthemen dabei, dann sind das häufig schon gar keine Tankstellen mehr wo einer alleine ist und das wird auch mehr werden. Also Standorte die 24h offen sind, wo nicht nur einer alleine arbeitet, genauso wie die Sensibilisierung des Personals, mit wachen Augen durch das Geschäft gehen und aufmerksam sein. Unsere Mitarbeiter, also die Partnermitarbeiter haben alle so ein Alarm-Button, wo man schnell einen stillen Alarm auslösen kann. Nun, solche Dinge sprechen sich natürlich auch rum, in der Hoffnung, dass es weniger wird. Ganz vermeiden lässt es sich natürlich nicht.

Küper: Danke für das Interview. Das waren jetzt so die Fragen, die uns jetzt so herangetragen wurden. Das sind scheinbar auch die Themen, welche die Besucher und die Branche am meisten bewegt und interessiert. Ich bedanke mich recht herzlich, möchte aber noch kurz die Gelegenheit geben ein kurzes Fazit zu ziehen über die Punkte die jetzt angegangen werden müssen, damit die Branche jetzt nicht den Anschluss verpasst, bzw. die Betreiber jetzt nicht den Anschluss an die sich stark wandelnde Branche verpassen.

Stracke: Ja gut ich glaube das die Auszeichnung die es hier gestern Abend gegeben hat schon im Dienst dafür sind in welche Richtung es gehen kann. Am Ende des Tages müssen wir schauen, was wollen unsere Gäste. Das ist mittlerweile sehr vielfältig und da müssen wir, also die gesamte Branche, wirklich rein. Das Thema nur noch tanken und den Gast nicht willkommen heißen und nur abzukassieren - die sind meiner Meinung nach vorbei. Dafür gibt es dann vielleicht Automaten Tankstellen. Das ist dann so ein Preisthema, aber ansonsten ist das eher Convenience, Atmosphäre schaffen und genau das haben wir ja gestern Abend gesehen, wenn man das einmal Revue passieren lässt. Da geht ja auch um Produkte, aber es geht eher um atmosphärische Themen, Standards, Basics, Sauberkeit war ein Thema. Das man sich gut aufgehoben fühlt und da muss die Branche wirklich dran arbeiten, sodass dieses Image der Tankstelle ein Upgrade erfährt. Gut dafür sind auch so Themen wie Rewe-to-Go usw., diese Themen tun der Branche insgesamt gut.
Von meiner Seite vielen Dank für Interview und ich bin gespannt, was die Zukunft bringt.

Küper: Vielen Dank!

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