SPEAKER: THOMAS FREY ÜBER DAS NEUE SERVICEANGEBOT DER TANKSTELLEN

Bereits seit 2011 unterstützt Thomas Frey als Personalberater Unternehmen im Ladenbau erfolgreich dabei, geeignete Kandidaten für anspruchsvolle Aufgaben zu finden. Thomas Frey hat von 2000 bis 2010 umfassende Erfahrungen als Führungskraft im Ladenbau gesammelt, er war zudem langjähriges Mitglied im dlv, und hat sich in den letzten Jahren schon den Ruf als „Der Ladenbauberater“ erarbeitet. Auch der Bereich Tankstellen ist ihm diesbezüglich nicht vorenthalten geblieben, weshalb SCHEMBERG ihn als Speaker zum Tankstellen Talk auf die Messe geholt hat.

Der Wandel der Zeit geht durch alle Bereiche, sowohl durch die Berufswelt, als auch durch die Retail-Welt und natürlich auch durch den Bereich der Tankstellen. Wandel der Zeit heißt aber auch, dass viele Berufsbilder sich verändern werden. Der Verkäufer wird bereits jetzt zum Berater, und in Zukunft ist der Verkäufer der “Kundenflüsterer“. Das hat natürlich auch damit zu tun, dass der Kunde von morgen, teilweise von heute, viel informierter ist als früher. Der Programmierer ist heute der Software-Designer und in Zukunft der Gesamtlöser, der auch Gesamtkonzepte lösen muss. Das heißt, die Fachkraft ist in Zukunft der Smart Experte in allen Fragen – und das zieht sich durch alle Branchen und betrifft natürlich auch den Bereich des Ladenbaus. Wenn man heute einkaufen geht, habe ich nicht nur die Möglichkeit, über einen Katalog zu bestellen, ich kann natürlich auch über viele Quellen meine Waren und Dienstleistungen beziehen und mich häufig auch breit informieren. Ob ich es übers Smartphone mache, über das Fernsehen, mich über Kataloge informiere bzw. Waren einkaufe oder über den stationären Handel. Doch wer sind eigentlich die Menschen, die in die Shops kommen und die auch arbeiten gehen? Noch nie war es wie heute, dass fünf Generationen in die Läden strömen, im Internet bestellt haben oder auch berufstätig waren.

Die erste Generation, die sogenannte Nachkriegsgeneration, sind die Traditionalisten. Diese Generation hat die Gründung der BRD mitgenommen und ist durch den 2. Weltkrieg, durch Trümmer und den Wiederaufbau geprägt. Für sie ist Shopping eine bedarfsdeckende Tätigkeit. Die nächste Generation, die Gruppe der Baby-Boomer, hat eine andere Prägung erfahren. Sie sind durch das Wirtschaftswunder geprägt, durch die Mondlandung und das Thema der europäischen Wirtschaftsgemeinschaft. Das sind Menschen, die karriereorientiert sind. Shopping bedeutet für diese Gruppe einen ziemlich starken Preisvergleich und Auswahl. Darauf folgen die X-er. Die Generation “No-Future“ wurde in den 70er Jahren durch Terrorismus geprägt. Das sind aber auch Menschen, die das Thema Europäische Union mitgenommen haben und nach Unabhängigkeit und Individualismus streben. Für diese Menschen heißt Shopping Freizeit und Ausgleich. Die nächste Gruppe sind die Y-er. Das ist die Generation, die das Thema Globalisierung erfahren hat und damit aufwächst. Klimawandel, 9/11, Terrorismus, das sind die Themen, die Einfluss auf diese Menschen haben. Sie sind 24 Stunden online und Hyper-Vernetzung ist ein großes Thema. Auch die Generation unserer Kinder hat das Thema Internet-Boom und Digitalisierung mitgenommen – für Sie Alltag. Gleichzeitig ist es interessant, zu erleben, dass es diese Gruppe auch wieder in den stationären Handel zieht. Das sind die Menschen, die auch wieder in die Stoes kommen und Einkauf als Erlebnis haben wollen. Aus diesem Grund ist es wichtig zu sagen, dass Ladenbau nicht tot, sondern sogar im Kommen ist. Mehr denn je.

Jetzt gilt es natürlich, durch gute Gestaltung von Retail-Lösungen, diese Menschen anzusprechen. Um das erfolgreich tun zu können, muss man sich darüber bewusst sein, für wen und für was man es macht. Wir leben in einer Netzwerkgesellschaft. Wir sind mittlerweile über mehrere Kanäle vernetzt. Ob Youtube, Facebook, LinkedIn, Xing… der Mensch ist stärker denn je miteinander vernetzt und verzahnt. Das Thema Network kann man sogar dahingehend ausweiten, dass sich mittlerweile auch eine sogenannte “Sharing Economy“ breit macht. Ich muss nichts Eigenes mehr haben, ich kann mir auch Dinge leihen, ich kann Dinge miteinander teilen.

Gerade das sind Themen, die das Thema Tankstelle der Zukunft sehr stark betreffen. Wenn man sich mit diesem Hintergrundwissen der Tankstelle der Zukunft nachdenkt, wird man feststellen, dass es 1965 noch weit über 40.000 Tankstellen gab, die dafür Sorge getragen haben, dass der Mensch versorgt wurde. Wie sieht es heute aus? In Deutschland gibt es heute nur noch knapp 15.000 Tankstellen. Die Anzahl der Tankstellen ist also relativ stark gesunken. Wo geht es also zukünftig hin? Haben wir ein Tankstellensterben? Was kann die Tankstelle tun, um in Zukunft wieder ansprechend zu sein?

Die Tankstelle ist sicherlich ein Unterwegsversorger. Das heißt, die Tankstelle hat verschiedene Säulen. Nicht nur Kraftstoffe, auch Autowäsche und das Thema Shopping. Das ist, wie wir die Tankstelle heute erleben. Jedoch macht sich eine vierte Säule breit: neue Mobilitätsdienste. Das könnte zum Beispiel sein, dass Office-Flächen zur Verfügung gestellt werden. Das Thema Co-Working macht sich breit. Da Tankstellen ein breites Netz und sehr gute Standorte haben, und es immer wieder mehr Menschen gibt, die näher an Ihrer Heimat arbeiten wollen, ist das sicher eine Möglichkeit, dass die Tankstellen in Zukunft Co-Working Spaces anbieten können.

Der nächste Punkt beim Thema Mobilitätsversorgung ist sicher das Thema Packstation. Viele Menschen lassen sich viele Dinge schicken und das heißt, dass es immer mehr Dienstleister gibt, die sich mit dem Thema Transport und Warenversorgung beschäftigen. Aber Tankstellen haben, bedingt durch ihre Lokalität, die Möglichkeit, nah am Kunden zu sein. Und so könnten Tankstellen auch entsprechende Flächen zur Verfügung stellen, um Packstationen zu errichten.

Dazu kommt, dass Fahrrad fahren immer beliebter wird. Denkbar wäre, dass die Tankstelle der Zukunft auch eine Art „On-Demand-Mobility“-Stützpunkt sein könnte – ein Fahrradverleih zum Beispiel, um mit dem Fahrrad von A nach B in der Stadt zu kommen. Oder es wird die Möglichkeit geben, Taxistandpunkte anzubieten. In Dubai werden beispielsweise bereits Landeplätze für Drohnen zur Verfügung gestellt. Auch das ist eine Möglichkeit, da, wie bereits erwähnt, die Tankstellen von vorteilhaften Standorten profitieren.

Eine weitere Möglichkeit wäre, dass eine Tankstelle ein Infocounter wird. Das lokale Kino kann in den Tankstellen anbieten, welche Kinofilme gerade laufen oder der Elektrofachmarkt oder andere Großmärkte können bestimmte Waren und Dienstleistungen anbieten. Auch kann die Tankstelle natürlich eine Wartezone sein, das heißt, Wartebereiche könnte ich anbieten, während ich auf mein Taxi oder Fahrrad warte, informiere ich mich.

Deutlich wird, dass die Tankstelle der Zukunft ein noch breiteres Angebotsportfolio zur Verfügung zu stellen hat, als es heute schon der Fall ist. Egal, wie wir uns in Zukunft fortbewegen – ob batterieelektrisch, mit Plug-In Hybrid, mit Elektrik alleine oder mit Diesel oder Benzin. Die Tankstelle als Service-Station der Zukunft wird sich deutlich verändern und hat das Potenzial, mit Hilfe gelungenen Ladenbaus zu einer Anlaufstelle für Jung und Alt zu werden.

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